Wie sie aussehen, wie sie leben, lieben und arbeiten.
Ein kleiner Kursus aus aktuellem Anlaß
"Fürchtet euch nicht", mahnte der Weihnachtsengel die Hirten. Kurz
vorher hatte Kollege Gabriel der Jungfrau Maria ihre bevorstehende
Niederkunft überhaupt erst verkündet. Alle Jahre wieder, Weihnachten,
das Fest des Herrn - und seiner Engel.
Was wir über die Himmelboten wissen? Herzlich wenig. Die Kirche,
ganz konzentriert auf Gott und Jesus Christus, gibt sich reserviert. Selbst
das Buch der Bücher geizt mit Details. Gerade mal drei Erzengel (Michael,
Gabriel und Raphael) nennt die Bibel beim Namen.
Gut, daß es Henoch gab. Die Schriften des legendären
Weisen aus vorchristlicher Zeit sind eine Fundgrube für Liebhaber
des ätherischen Geflügels. Ebenso die Texte eines antiken syrischen
Theologen, dessen Engelshierarchie später bei Thomas von Aquin
und Dante Verwendung fand.
Im Lauf der Geschichte wurden diese historischen Bilder vom Mittlerwesen
zwischen Gott und den Menschen immer wieder mit dem aktuellen Zeitgeist
verschnitten. Heraus kommt ein Bild, das die himmlischen Heerscharen ganz
und gar menschlich werden lässt. Sie müssen arbeiten, sie leben
in einer streng nach Klassen geordneten Gesellschaft und haben nicht selten
Lust, gegen den Chef zu rebellieren. Kein Wunder, daß sich die Engel
auf Erden heimisch fühlen. Daß diese Invasion nicht unbemerkt
geblieben ist, legt eine Forsa-Umfrage nahe. Der zufolge glauben 48 Prozent
der Deutschen, zur Mehrheit Frauen, einen persönlichen Schutzengel
zu besitzen. Jeder Zehnte ist sicher, schon mal einen Engel ,,gesehen oder
gefühlt" zu haben.